Auf einen Blick
Warum tut mein Ellenbogen weh?
Wenn der Ellenbogen schmerzt, fragen sich viele Menschen zunächst: Was ist kaputt? Diese Frage ist verständlich – führt aber häufig in die falsche Richtung. Die meisten Ellenbogenbeschwerden entstehen nicht plötzlich durch einen einzelnen Schaden, sondern entwickeln sich schleichend über Wochen oder Monate.
Besonders häufig betroffen sind die Sehnenansätze der Unterarmmuskulatur am Ellenbogen. Diese Sehnen verbinden Ihre Muskulatur mit dem Knochen und übertragen bei nahezu jeder Greif-, Hebe- oder Drehbewegung Kräfte. Je häufiger oder intensiver diese Belastungen auftreten, desto stärker werden die Sehnen gefordert.
Normalerweise passen sie sich daran an. Manchmal gelingt diese Anpassung jedoch nicht ausreichend. Dann kann die Belastbarkeit der Sehne vorübergehend geringer sein als die Anforderungen des Alltags oder Sports. Die Folge: Schmerzen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Sehne kaputt ist.
Wo können Ellenbogenbeschwerden auftreten?
Nicht alle Ellenbogenschmerzen sind gleich. Die genaue Schmerzregion liefert häufig wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen. Je nachdem, wo die Beschwerden auftreten und wann sie auftreten, kommen unterschiedliche Strukturen als Auslöser infrage.
Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens
Dies ist die häufigste Form von Ellenbogenbeschwerden. Typisch sind Schmerzen beim festen Zugreifen, Heben einer Tasse oder Einkaufstasche, Öffnen eines Schraubverschlusses, Tragen schwerer Gegenstände, Arbeiten mit Werkzeugen oder bei Schlägersportarten. Der häufigste Grund ist eine laterale Tendinopathie, umgangssprachlich als Tennisellenbogen bekannt.
Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens
Schmerzen auf der Innenseite werden häufig als Golferellenbogen bezeichnet. Sie treten typischerweise bei Belastungen auf, bei denen die Beugemuskulatur des Unterarms stark arbeiten muss – zum Beispiel beim Tragen, Klettern, Krafttraining, Werfen oder wiederholten Greifen. Auch hier handelt es sich meist um eine Tendinopathie der Sehnenansätze.
Schmerzen auf der Rückseite des Ellenbogens
Beschwerden an der Ellenbogenspitze können verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise Reizungen des Schleimbeutels, Überlastungen der Trizepssehne, direkte Stöße oder Prellungen oder – deutlich seltener – andere Erkrankungen.
Kribbeln oder Taubheitsgefühle
Nicht alle Ellenbogenbeschwerden entstehen in den Sehnen. Treten zusätzlich Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ausstrahlende Beschwerden in Ring- oder Kleinfinger auf, kann auch eine Reizung des Ulnarnervs eine Rolle spielen. Auch Beschwerden aus der Halswirbelsäule können gelegentlich ähnliche Symptome verursachen.
Wann sollte ich meinen Ellenbogen ärztlich untersuchen lassen?
Die meisten Ellenbogenbeschwerden sind zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine ärztliche Untersuchung zeitnah erfolgen sollte.
- Die Beschwerden haben nach einem Sturz oder Unfall begonnen
- Sie können den Arm kaum noch bewegen
- Es ist eine deutliche Fehlstellung sichtbar
- Es treten starke Schwellungen auf
- Fieber oder eine ausgeprägte Rötung kommen hinzu
- Es bestehen erhebliche Kraftverluste
- Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen treten auf
- Die Beschwerden nehmen trotz angemessener Behandlung zu
- Es bestehen nächtliche Schmerzen ohne erkennbare Ursache
Warum wird ein Tennisellenbogen häufig missverstanden?
Der Begriff Tennisellenbogen führt viele Menschen auf eine falsche Spur. Er vermittelt den Eindruck, dass nur Tennisspieler betroffen sind, eine Entzündung vorliegt oder eine einzelne Bewegung die Ursache ist. Keine dieser Annahmen trifft auf die meisten Betroffenen zu.
Tatsächlich spielt nur ein kleiner Teil der Patientinnen und Patienten regelmäßig Tennis. Und auch eine klassische Entzündung findet sich bei länger bestehenden Beschwerden meist nicht. Heute gehen Fachleute davon aus, dass es sich überwiegend um eine Tendinopathie handelt.
Warum brauchen Sehnen länger als Muskeln?
Viele Menschen wundern sich darüber, dass Ellenbogenbeschwerden oft mehrere Monate bestehen. Das liegt unter anderem daran, dass sich Sehnen deutlich langsamer an Belastungen anpassen als Muskeln. Während sich Muskulatur bereits innerhalb weniger Wochen messbar verändern kann, benötigen Sehnen häufig mehrere Monate, um ihre Belastbarkeit nachhaltig zu verbessern.
Deshalb ist Geduld ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Eine kurzfristige Schmerzverbesserung bedeutet nicht automatisch, dass die Sehne bereits vollständig belastbar ist. Umgekehrt bedeutet ein schmerzhafter Tag nicht automatisch, dass die Behandlung nicht funktioniert.
Warum hilft Training?
Die wichtigste Aufgabe eines Trainings besteht nicht darin, Schmerzen kurzfristig zu beseitigen. Sein Ziel ist vielmehr, die Belastbarkeit der Sehne Schritt für Schritt wieder aufzubauen. Dazu gehören beispielsweise gezielte Kräftigungsübungen, eine schrittweise Steigerung der Belastung, ausreichende Erholungsphasen und eine Anpassung belastender Tätigkeiten im Alltag oder Beruf.
Internationale Leitlinien empfehlen heute deshalb bei den meisten Tendinopathien einen aktiven Behandlungsansatz. Passive Maßnahmen können Beschwerden kurzfristig lindern, sollten jedoch in der Regel nicht die einzige Therapie sein.
Evidenz · Starke Evidenz+
Quellen: JOSPT / tendinopathiespezifische Clinical Practice Reviews · Cochrane Reviews zu konservativer Behandlung von Tendinopathien · BJSM Reviews zu Belastungsaufbau und Training bei Tendinopathien
Was hilft wirklich – und was eher nicht?
Wer wegen Ellenbogenbeschwerden im Internet sucht, findet unzählige Behandlungsmöglichkeiten: Bandagen, Salben, Massagen, Stoßwellentherapie, Kortisonspritzen, Eigenblut, Dry Needling, Laser, Ultraschall, Operationen, Dehnübungen oder Krafttraining. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt jedoch recht klar, welche Maßnahmen bei den meisten Betroffenen sinnvoll sind.
Krafttraining
Krafttraining gehört heute zu den wichtigsten Bestandteilen der Behandlung. Dabei geht es nicht darum, möglichst schwere Gewichte zu bewegen. Entscheidend ist eine individuell angepasste Belastung, die regelmäßig durchgeführt und schrittweise gesteigert wird.
Belastungsmanagement
Viele Ellenbogenbeschwerden entstehen nicht dadurch, dass der Arm belastet wird. Sie entstehen häufig dadurch, dass die Belastung die aktuelle Belastbarkeit übersteigt. Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht: Soll ich meinen Arm benutzen? Sondern: Wie viel Belastung ist im Moment sinnvoll?
Passive Maßnahmen
Massagen, manuelle Therapie oder Bandagen können Beschwerden kurzfristig lindern. Viele Patientinnen und Patienten empfinden sie als angenehm. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand ersetzen sie jedoch kein aktives Belastungsprogramm.
Kortisonspritzen
Kortison kann Schmerzen kurzfristig deutlich reduzieren. Die Forschung zeigt jedoch, dass der langfristige Nutzen begrenzt ist und Rückfälle häufiger auftreten können. Deshalb sollte eine Injektion sorgfältig gegen mögliche Vor- und Nachteile abgewogen werden.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Nur wenige Menschen mit einem Tennis- oder Golferellenbogen benötigen eine Operation. In den meisten Fällen verbessern sich die Beschwerden mit einer konsequenten konservativen Behandlung. Eine operative Therapie kommt meist erst dann infrage, wenn Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, konservative Maßnahmen ausgeschöpft wurden und weiterhin eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität besteht.
Sie möchten Ihre Ellenbogenbeschwerden persönlich besprechen?
Rufen Sie uns an, schreiben Sie uns auf WhatsApp oder starten Sie unseren digitalen Erstaufnahmebogen.
Was können Sie selbst tun?
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses gesamten Evidenzguides: Sie sind den Beschwerden nicht hilflos ausgeliefert. Die Belastbarkeit einer Sehne lässt sich in vielen Fällen gezielt verbessern. Das braucht zwar Zeit, aber Sie können den Heilungsverlauf aktiv beeinflussen.
1. Haben Sie Geduld
Sehnen heilen anders als Muskeln. Während sich Muskulatur oft innerhalb weniger Wochen anpasst, benötigen Sehnen meist deutlich länger. Verbesserungen treten häufig schrittweise auf.
2. Vermeiden Sie weder jede Belastung noch ignorieren Sie den Schmerz
Viele Menschen wählen unbewusst einen von zwei Extremen: vollständige Schonung oder Augen zu und durch. Beides ist meist nicht sinnvoll. Ziel ist die passende Dosierung.
3. Bleiben Sie möglichst aktiv
Nur weil bestimmte Bewegungen aktuell schmerzen, bedeutet das nicht, dass Sie Ihren Arm gar nicht mehr benutzen sollten. Oft reicht es bereits aus, Belastungen vorübergehend anzupassen.
4. Denken Sie langfristig
Sehnen reagieren selten auf eine einzelne Behandlung. Entscheidend ist die Summe vieler kleiner Schritte: regelmäßiges Training, sinnvolle Belastungssteuerung, ausreichend Erholung und etwas Geduld.
5. Vertrauen Sie Ihrem Körper
Eine schmerzende Sehne bedeutet nicht automatisch, dass sie dauerhaft geschädigt ist. Mit einer individuell angepassten Belastung kann die Belastbarkeit häufig wieder deutlich verbessert werden.
Wie ist die Prognose?
Die gute Nachricht: Die Prognose bei den meisten Ellenbogenbeschwerden ist günstig. Viele Menschen erreichen mit einer konsequenten konservativen Behandlung innerhalb einiger Monate eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden.
Dabei verläuft die Heilung selten geradlinig. Kleine Rückschläge gehören häufig dazu und bedeuten nicht automatisch, dass etwas schiefgelaufen ist. Entscheidend ist die Entwicklung über mehrere Wochen und Monate.
Was beeinflusst die Heilung?
- regelmäßiges Training
- angemessene Belastungssteuerung
- Dauer der Beschwerden
- berufliche Belastungen
- sportliche Anforderungen
- allgemeine Gesundheit
- Schlaf
- Rauchen
- konsequente Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen
Häufige Fragen zu Ellenbogenbeschwerden
Belastung
Muss ich meinen Ellenbogen komplett schonen?
+
Belastung
Muss ich meinen Ellenbogen komplett schonen?
Training
Darf ich trotz Schmerzen trainieren?
+
Training
Darf ich trotz Schmerzen trainieren?
Prognose
Wie lange dauert ein Tennisellenbogen?
+
Prognose
Wie lange dauert ein Tennisellenbogen?
Diagnostik
Brauche ich ein MRT?
+
Diagnostik
Brauche ich ein MRT?
Injektionen
Sind Kortisonspritzen sinnvoll?
+
Injektionen
Sind Kortisonspritzen sinnvoll?
Alltag
Kann ich weiter arbeiten?
+
Alltag
Kann ich weiter arbeiten?
Sport
Kann ich weiter Sport treiben?
+
Sport
Kann ich weiter Sport treiben?
Verlauf
Können Ellenbogenbeschwerden von alleine verschwinden?
+
Verlauf
Können Ellenbogenbeschwerden von alleine verschwinden?
Verlauf
Kommen die Beschwerden wieder?
+
Verlauf
Kommen die Beschwerden wieder?
Grundlagen
Ist ein Tennisellenbogen wirklich eine Entzündung?
+
Grundlagen
Ist ein Tennisellenbogen wirklich eine Entzündung?
Wissenschaftliche Qualität & Quellen
Dieser Evidenzguide orientiert sich unter anderem an aktuellen Leitlinien, systematischen Übersichtsarbeiten und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Tendinopathien, Ellenbogenbeschwerden, konservativer Therapie, Training, Belastungssteuerung und medizinischer Bildgebung. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse können bestehende Empfehlungen verändern. Deshalb überprüfen wir unsere Evidenzguides regelmäßig und aktualisieren sie nach dem aktuellen Stand der Forschung.
Leitlinien & Empfehlungen
- JOSPT Clinical Practice Resources
- NICE Guideline – musculoskeletal pain / imaging guidance
- WHO-Rehabilitationsempfehlungen
- aktuelle tendinopathiespezifische Consensus Statements
Systematische Übersichtsarbeiten
- Cochrane Library
- British Journal of Sports Medicine (BJSM)
- British Medical Journal (BMJ)
- Reviews zu lateraler und medialer Tendinopathie
Schmerz- & Tendinopathieforschung
- Jill Cook
- Ebonie Rio
- Ben Cormack
- Greg Lehman
- Peter O'Sullivan
Evidenzdatenbanken
- PubMed
- PEDro
- Cochrane Library
- JOSPT
- BMJ Best Practice
Fachlich geprüft von Stephan Fekkers
Physiotherapeut (seit 2007) · Bachelor of Science Physiotherapie · Heilpraktiker (Physiotherapie) · Praxisinhaber von SF Physio. Schwerpunkt u. a. Tendinopathien, Ellenbogenbeschwerden, aktive Rehabilitation, Belastungsaufbau und evidenzbasierte Trainingstherapie.
Letzte wissenschaftliche Aktualisierung: Juni 2026 · Nächste geplante Aktualisierung: spätestens Juni 2027.
Sie möchten Ihre Ellenbogenbeschwerden individuell abklären lassen?
Ellenbogenbeschwerden können den Alltag erheblich einschränken. Die gute Nachricht ist jedoch: Die meisten Beschwerden lassen sich ohne Operation erfolgreich behandeln. Auch wenn wissenschaftliche Leitlinien viele allgemeine Empfehlungen geben, ersetzt dieser Evidenzguide keine persönliche Untersuchung. Gemeinsam entwickeln wir einen individuellen Behandlungsplan, der zu Ihrer persönlichen Situation passt.
