SF Physio Evidenzguide

Gangunsicherheit und Sturzprävention

Ursachen einordnen, Sturzrisiken erkennen und Sicherheit durch gezieltes Training verbessern

Wenn das Gehen unsicherer wird, man häufiger stolpert oder lieber am Geländer bleibt, verändert das schnell den ganzen Alltag. Vorweg die direkte Antwort: Gangunsicherheit beschreibt das Gefühl oder den objektiven Befund, beim Gehen und Stehen weniger sicher zu sein – sie ist ein Symptom und keine eigene Diagnose. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen, und viele davon lassen sich beeinflussen. Ein Sturz ist kein unausweichlicher Teil des Älterwerdens.

Fachlich verantwortet von Stephan Fekkers, B.Sc. Physiotherapie. Grundlage sind die auf dieser Seite verlinkten Leitlinien und Übersichtsarbeiten.

Auf einen Blick

  • Gangunsicherheit ist ein Symptom, keine Diagnose – meist wirken mehrere Faktoren zusammen.
  • Stürze gelten als beeinflussbar: Risiken lassen sich erfassen und gezielt angehen.
  • Am besten untersucht ist Training, das Gleichgewicht deutlich fordert und funktionelle Beinkraft aufbaut.
  • Ausreichende Dosis und Kontinuität sind wichtiger als eine bestimmte Lieblingsübung.
  • Bei mehreren Risiken ist ein multifaktorielles Vorgehen sinnvoll – inklusive ärztlicher Medikamentenprüfung.
  • Sturzangst ernst nehmen: Vermeidung kann Kraft und Sicherheit langfristig verringern.

Gangunsicherheit ist ein Symptom, keine Diagnose

„Störungen des Ganges und der Mobilität“ ist eine Sammelbezeichnung, unter der sehr unterschiedliche Ursachen zusammenkommen. Genau deshalb führt es nicht weiter, vorab eine einzelne Ursache festzulegen. Sinnvoll ist, systematisch zu schauen, welche Faktoren bei Ihnen eine Rolle spielen – und welche davon veränderbar sind.

Häufig ist es nicht ein einziger Grund, sondern eine Kombination: etwas weniger Kraft, eine kleine Einschränkung beim Sehen, ein Medikament, ein schmerzendes Gelenk, dazu eine ungünstige Umgebung. In der Summe entsteht Unsicherheit, obwohl jeder Einzelfaktor für sich unauffällig wirkt.

Mögliche beteiligte Faktoren – meist mehrere gleichzeitig
  • Kraft und Gelenke

    Nachlassende Bein- und Rumpfkraft, Schmerzen oder eingeschränkte Beweglichkeit in Hüfte, Knie und Sprunggelenk verändern Gangbild und Standsicherheit.

  • Gleichgewicht und Sensibilität

    Das Gleichgewicht entsteht aus dem Zusammenspiel von Augen, Gleichgewichtsorgan und Rückmeldungen aus Füßen und Gelenken. Fällt ein Anteil aus, wird der Stand störanfälliger.

  • Sehen und Umgebung

    Sehvermögen, Brillenversorgung, Beleuchtung, Bodenbeläge, Schwellen und Schuhwerk beeinflussen, wie sicher Sie sich bewegen.

  • Kreislauf und Blutdruck

    Schwindel beim Aufstehen, Blutdruckschwankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Unsicherheit auslösen und gehören ärztlich beurteilt.

  • Medikamente

    Manche Medikamente und besonders Kombinationen können Aufmerksamkeit, Kreislauf oder Gleichgewicht beeinflussen. Eine Überprüfung erfolgt ärztlich oder in der Apotheke – bitte nichts eigenmächtig absetzen.

  • Neurologische und kognitive Faktoren

    Erkrankungen des Nervensystems, Polyneuropathie, Folgen eines Schlaganfalls, aber auch Konzentration und Doppelaufgaben im Alltag können das Gehen verändern.

Diese Übersicht ersetzt keine Untersuchung. Welche Faktoren bei Ihnen zusammenwirken, lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen.

Wer sollte sein Sturzrisiko prüfen lassen?

Eine Einschätzung lohnt sich nicht erst nach einer Verletzung. Leitlinien empfehlen, bei Hinweisen auf ein erhöhtes Risiko gezielt nachzufragen und zu untersuchen – früh, strukturiert und ohne Dramatik.

Anlass für eine Einschätzung
  • Ein Sturz im vergangenen Jahr – auch dann, wenn nichts passiert ist
  • Wiederholtes Stolpern oder Beinahe-Stürze
  • Zunehmende Unsicherheit beim Gehen oder neuer Bedarf an Festhalten und Hilfsmitteln
  • Angst vor Stürzen oder Vermeidung von Wegen, Treppen und Aktivitäten
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen vom Stuhl, beim Treppensteigen oder beim längeren Gehen
  • Neue oder deutlich veränderte Gangunsicherheit ohne erkennbaren Grund

Was eine sinnvolle Untersuchung umfasst

  • Genaue Sturz- und Beinahe-Sturz-Anamnese

    Wann, wo und in welcher Situation ist es passiert? Was ging voraus? Diese Angaben sind oft aufschlussreicher als jeder Einzeltest.

  • Gangbild und Transfers

    Beobachtung von Gehen, Wenden, Aufstehen und Hinsetzen, Treppe und Umgang mit Hilfsmitteln – in möglichst alltagsnahen Situationen.

  • Funktionelle Beinkraft

    Zum Beispiel über Aufsteh-Aufgaben, um einzuschätzen, wie viel Reserve für Alltag und Ausgleichsbewegungen vorhanden ist.

  • Statisches und dynamisches Gleichgewicht

    Standvarianten, Gewichtsverlagerungen und Gehaufgaben zeigen, wo Sicherheit verloren geht und wo das Training ansetzen kann.

  • Standardisierte Tests, wenn sie passen

    Je nach Situation kommen Verfahren wie Timed Up and Go, Five Times Sit-to-Stand, die Ganggeschwindigkeit oder geeignete Balance-Tests infrage – als Verlaufsmaß, nicht als Urteil.

  • Ärztlich zu klärende Anteile

    Sehvermögen, Blutdruck und Kreislauf, Medikamente sowie Hinweise auf neurologische Erkrankungen gehören je nach Befund in ärztliche Hände.

Tests richtig einordnen

Kein einzelner Test stellt eine Diagnose, und starre universelle Grenzwerte werden der Vielfalt der Situationen nicht gerecht. Ergebnisse hängen von Alter, Erkrankungen, Schmerzen, Hilfsmitteln, Tagesform und der Testumgebung ab. Wir nutzen sie deshalb vor allem als Verlaufsmaß: um im Verlauf zu sehen, ob das Training wirkt.

Was hilft nach aktueller Evidenz?

Die folgenden Einschätzungen stützen sich auf die unten verlinkten Leitlinien und Übersichtsarbeiten. Sie beschreiben die allgemeine Studienlage – nicht, was in Ihrem Fall das Richtige ist.

Gut gestützt

Gleichgewichts- und funktionelles Krafttraining

Am besten untersucht sind individuell angepasste, fortlaufend gesteigerte Programme, die das Gleichgewicht wirklich fordern und funktionelle Beinkraft aufbauen. Die Cochrane-Übersicht zu zu Hause lebenden älteren Menschen zeigt für Übungsprogramme eine Verringerung der Sturzrate; in den Studien waren vor allem Programme mit hohem Gleichgewichts- und Funktionsanteil vertreten.
Gut gestützt

Ausreichende Dosis und langfristige Kontinuität

Wirksame Programme sind kein Zehn-Minuten-Projekt für zwei Wochen. Regelmäßiges Training über Monate hinweg ist der Kern – deshalb planen wir von Anfang an mit, wie das Training realistisch in Ihren Alltag passt.
Gut gestützt

Multifaktorielles Vorgehen bei mehreren Risiken

Wenn mehrere Risiken zusammenkommen – etwa Kraft, Sehen, Kreislauf, Medikamente und Wohnumgebung – empfehlen internationale Leitlinien, sie gemeinsam und abgestimmt anzugehen statt nur einen Baustein zu behandeln.
Individuell abhängig / begrenzte Evidenz

Wohnumgebung und Hausgefahren

Eine Beurteilung der häuslichen Umgebung kann sinnvoll sein, besonders bei erhöhtem Risiko. Wirksam ist sie vor allem dann, wenn sie qualifiziert erfolgt und die Anpassungen anschließend auch umgesetzt werden – nicht als bloße Checkliste.
Individuell abhängig / begrenzte Evidenz

Seh- und Hörversorgung, Schuhwerk

Gut angepasste Sehhilfen, versorgtes Hören und feste, gut sitzende Schuhe mit rutschhemmender Sohle können die Sicherheit unterstützen. Der Nutzen hängt vom individuellen Bedarf ab – pauschale Empfehlungen für alle lassen sich daraus nicht ableiten.
Nicht pauschal belegt

Vitamin D pauschal zur Sturzprävention

Eine generelle Einnahme von Vitamin D allein zur Sturzvorbeugung ist nicht als Standardmaßnahme für alle belegt. Ob eine Einnahme sinnvoll ist – etwa bei nachgewiesenem Mangel oder anderer medizinischer Indikation –, entscheidet ärztlich.
Prinzip der Dosierung: fordernd und zugleich sicher
  • Herausforderung an das Gleichgewicht: spürbar, aber kontrollierbar
  • Sicherung: Festhaltemöglichkeit, freier Raum, feste Schuhe
  • Steigerung: erst Sicherheit, dann Schwierigkeit erhöhen
  • Regelmäßigkeit: lieber häufig und kurz als selten und lang
  • Alltagstransfer: Aufstehen, Treppe, Wenden, Gehen mit Zusatzaufgabe
  • Verlauf: regelmäßig überprüfen und anpassen

Auch Gang- und Alltagstraining gehört dazu: Gehen über unterschiedliche Untergründe, Wenden, Schrittlänge, Treppen und Situationen, in denen Sie gleichzeitig etwas tragen oder sprechen. Genau dort passieren Beinahe-Stürze im echten Leben.

Sturzangst: verständlich – und veränderbar

Wer gestürzt ist oder sich wackelig fühlt, wird vorsichtiger. Das ist eine nachvollziehbare Reaktion und kein Fehler. Problematisch wird es erst, wenn daraus dauerhaft weniger Bewegung folgt: Kraft und Gleichgewicht nehmen ab, die Unsicherheit wächst, der Aktionsradius wird kleiner.

Der Weg heraus führt in kleinen, sicher begleiteten Schritten – mit Aufgaben, die Sie bewältigen, mit klaren Alltagszielen und mit dem Erleben, dass es wieder geht. Niemand muss sich dafür rechtfertigen, Angst gehabt zu haben.

Gehstock, Rollator und andere Hilfsmittel

Hilfsmittel sind kein Eingeständnis von Gebrechlichkeit, sondern Werkzeuge für Sicherheit und Teilhabe. Entscheidend ist, dass sie passen und dass Sie den Umgang damit beherrschen.

  • Sicherheit und Teilhabe

    Stock, Unterarmgehstützen oder Rollator können Wege wieder möglich machen, die sonst vermieden würden – und damit sogar Aktivität und Training unterstützen.

  • Passend ausgewählt und eingestellt

    Höhe, Griffe, Bremsen und Modell müssen zu Ihnen passen. Ein falsch eingestelltes Hilfsmittel kann Unsicherheit sogar erhöhen.

  • Handhabung üben

    Wenden, Türen, Bordsteine, Treppen und Bus oder Auto gehören geübt – am besten dort, wo Sie tatsächlich unterwegs sind.

  • Kein Ersatz für Training

    Ein Hilfsmittel nimmt Last ab, baut aber keine Kraft und kein Gleichgewicht auf. Beides gehört zusammen.

Was eher nicht ausreicht

  • Nur „vorsichtiger sein“

    Vorsicht allein verändert weder Kraft noch Gleichgewicht. Sie führt häufig dazu, dass Wege wegfallen – und damit auch das, was Sicherheit erhält.

  • Spazierengehen als einziges Gleichgewichtstraining

    Gehen bleibt wertvoll für Aktivität, Ausdauer und Stimmung. Zur gezielten Sturzprävention fordert es das Gleichgewicht aber meist zu wenig und baut kaum Kraft auf.

  • Passive Behandlung ohne aktiven Aufbau

    Massage oder andere passive Maßnahmen können begleitend angenehm sein. Ohne aktives Training verändern sie die Standsicherheit nicht.

  • Unspezifische Standardübungen ohne Progression

    Ein Übungsblatt für alle bleibt oft unter dem nötigen Reiz. Entscheidend ist, dass die Anforderung mit Ihrem Fortschritt mitwächst – sicher dosiert.

  • Aktivitäten weiträumig vermeiden

    Vermeidung senkt kurzfristig die Gelegenheit zu stürzen, verringert langfristig aber Kraft, Gleichgewicht und Zutrauen.

Das ist kein Urteil über einzelne Maßnahmen. Spaziergänge, Ruhephasen und passive Anwendungen dürfen ihren Platz haben – sie sollten nur nicht die einzige Antwort auf ein erhöhtes Sturzrisiko sein.

Was können Sie selbst tun?

Die folgenden Schritte sind bewusst einfach und sicher gehalten. Sie ersetzen keine individuelle Untersuchung, eignen sich aber fast immer als Anfang.

  • Aufstehen im Alltag nutzen

    Mehrmals täglich bewusst vom Stuhl aufstehen und hinsetzen – möglichst ohne Schwung, an einer sicheren Stelle mit Festhaltemöglichkeit in Reichweite.

  • Feste, gut sitzende Schuhe

    Auch in der Wohnung: geschlossene Schuhe mit Halt und rutschhemmender Sohle sind sicherer als lose Pantoffeln oder Strümpfe auf glattem Boden.

  • Licht und Wege prüfen

    Gute Beleuchtung, ein erreichbarer Lichtschalter am Bett, lose Teppiche und Kabel entfernen, Durchgänge frei halten.

  • Haltemöglichkeiten schaffen

    Handlauf an der Treppe, stabile Griffe in Bad und WC, ein fester Stuhl zum Anziehen – kleine Änderungen mit großer Wirkung.

  • Erreichbar bleiben

    Telefon oder Notrufmöglichkeit so griffbereit halten, dass Sie im Ernstfall auch vom Boden aus Hilfe rufen können.

  • Balanceübungen nicht allein beginnen

    Fordernde Gleichgewichtsübungen gehören zunächst in eine angeleitete, gesicherte Situation – nicht allein ausprobiert.

Nach einem Sturz

Schritt für Schritt – mit Vorrang für die Sicherheit
  1. 1Ruhig bleiben und einen Moment liegen bleiben, um die Lage einzuschätzen – nicht sofort hochkommen wollen.
  2. 2Prüfen, ob Schmerzen, Verletzungen oder Bewegungseinschränkungen bestehen; bei Verdacht auf eine Verletzung nicht selbst aufstehen, sondern Hilfe holen.
  3. 3Sofort medizinisch abklären lassen bei Kopfaufprall, blutverdünnenden Medikamenten, starken Schmerzen, sichtbarer Fehlstellung, Bewusstlosigkeit oder neurologischen Symptomen – im Zweifel Notruf 112.
  4. 4Wenn Sie sich unverletzt fühlen: langsam und über eine stabile Zwischenposition aufstehen, möglichst mit Unterstützung oder an einem festen Möbelstück.
  5. 5Wie Sie sicher vom Boden aufstehen, lässt sich sinnvoll nur individuell üben – nach Untersuchung und in gesicherter Situation, nicht nach einer allgemeinen Anleitung.
  6. 6Auch einen Sturz ohne Verletzung besprechen: Er ist einer der wichtigsten Hinweise auf ein erhöhtes Risiko.

Warnzeichen: wann sofort abklären?

Die meisten Formen von Gangunsicherheit entwickeln sich langsam und sind nicht akut gefährlich. Einige Zeichen sprechen aber für eine sofortige Abklärung – damit Sie im Zweifel wissen, was zu tun ist.

Notfallzeichen zuerst
  • Plötzlich neu aufgetretene Gangstörung
  • Einseitige Schwäche, Sprach- oder Sehstörung, hängender Mundwinkel – Verdacht auf Schlaganfall: sofort Notruf 112
  • Neue schwere Koordinationsstörung, Bewusstlosigkeit, Brustschmerz oder Atemnot
  • Akuter starker Schwindel zusammen mit neurologischen Zeichen
  • Kopfverletzung nach einem Sturz, besonders unter blutverdünnender Medikation
  • Neue Störung von Blasen- oder Mastdarmfunktion oder Taubheit im Reithosenbereich
  • Fieber, ausgeprägtes Krankheitsgefühl oder rasche, ungeklärte Verschlechterung

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall zählt jede Minute: sofort den Notruf 112 wählen. Im Zweifel lieber einmal zu früh abklären lassen als zu spät.

Wie wir bei SF Physio vorgehen

  1. 1Anamnese und klinisches ScreeningVerlauf, Stürze und Beinahe-Stürze, Erkrankungen, Medikamente, Hilfsmittel und Alltag – ergänzt um eine körperliche Untersuchung und das Achten auf Warnzeichen.
  2. 2Alltagsnahe Ziele festlegenZum Beispiel sicher zum Einkaufen gehen, die Treppe ohne Festhalten schaffen oder abends noch unterwegs sein – überprüfbar und für Sie bedeutsam.
  3. 3Geeignete funktionelle MessungenPassende Tests zu Gang, Aufstehen und Gleichgewicht als Ausgangswert, damit Fortschritte sichtbar werden.
  4. 4Individuell dosiertes TrainingKraft-, Gleichgewichts- und Gangtraining, das fordert und zugleich sicher ist, mit geplanter Steigerung und einem machbaren Heimprogramm.
  5. 5Verlaufskontrolle und AlltagstransferRegelmäßige Überprüfung, Anpassung der Dosis und Übertragung der Übungen in Ihre reale Umgebung.
  6. 6Weitere Abklärung empfehlen, wenn nötigBei Hinweisen auf ärztlich, neurologisch, vestibulär, augenärztlich oder medikamentös zu klärende Anteile empfehlen wir die entsprechende Abklärung.

Verordnung und Ersttermin

Die Behandlung erfolgt bei uns im Rahmen der ärztlichen Verordnung, häufig als Krankengymnastik oder Krankengymnastik am Gerät. Einen offenen Sturzpräventionskurs bieten wir derzeit nicht an; das Training findet als individuelle Therapie statt. Bei Warnzeichen hat die ärztliche Abklärung Vorrang.

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Häufige Fragen

Warum werde ich beim Gehen unsicher?

Gangunsicherheit hat selten nur einen Grund. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen: nachlassende Bein- und Rumpfkraft, ein verändertes Gleichgewicht, Schmerzen oder eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit, Sehvermögen, veränderte Sensibilität an den Füßen, das Gleichgewichtsorgan, Kreislauf und Blutdruck, Medikamente sowie neurologische Erkrankungen. Auch die Umgebung spielt mit. Welche Anteile bei Ihnen im Vordergrund stehen, lässt sich nur durch eine persönliche Untersuchung klären – aus der Ferne ist das nicht seriös möglich.

Ist Gangunsicherheit im Alter normal?

Mit den Jahren verändern sich Kraft, Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit – das ist verbreitet. Daraus folgt aber nicht, dass Unsicherheit oder Stürze einfach hinzunehmen sind. Stürze gelten als beeinflussbares Gesundheitsproblem, und internationale Leitlinien empfehlen, Risiken aktiv zu erfassen und zu behandeln, statt sie als unvermeidlichen Teil des Älterwerdens zu betrachten.

Welcher Arzt sollte Gangunsicherheit abklären?

Erste Anlaufstelle ist in der Regel die hausärztliche Praxis. Dort können Medikamente überprüft, Blutdruck und Kreislauf beurteilt und Grunderkrankungen eingeordnet werden. Je nach Befund kommt eine Überweisung in Betracht, etwa neurologisch bei Verdacht auf eine Erkrankung des Nervensystems, augenärztlich bei Sehproblemen, HNO-ärztlich bei Schwindel und Gleichgewichtsstörungen oder orthopädisch bei Gelenkbeschwerden. Physiotherapie ergänzt diese Abklärung und ersetzt sie nicht.

Kann man Gleichgewicht trainieren?

Ja. Das Gleichgewicht ist trainierbar, auch im höheren Lebensalter. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit zu Training bei zu Hause lebenden älteren Menschen zeigt, dass Übungsprogramme die Rate der Stürze senken können; besonders untersucht sind Programme mit deutlichem Gleichgewichts- und Funktionsanteil. Entscheidend sind eine ausreichende Herausforderung, eine sichere Dosierung und Regelmäßigkeit über längere Zeit.

Reicht Spazierengehen zur Sturzprävention?

Spazierengehen ist wertvoll: für Ausdauer, Kreislauf, Stimmung und Alltagsaktivität. Als alleinige Maßnahme ist es zur gezielten Sturzprävention aber meist nicht ausreichend, weil es das Gleichgewicht nur wenig herausfordert und kaum Kraft aufbaut. Sinnvoll ist die Kombination: weiterhin gehen – und zusätzlich gezieltes Gleichgewichts- und Krafttraining.

Welche Übungen sind am wirksamsten?

Am besten untersucht sind Programme, die das Gleichgewicht gezielt fordern und funktionelle Beinkraft aufbauen, etwa Standvarianten, Gewichtsverlagerungen, Gehvarianten sowie Aufstehen und Hinsetzen. Welche Übung für Sie die richtige ist, hängt von Ihrem Ausgangsniveau, Ihren Erkrankungen und Ihren Alltagszielen ab. Eine allgemeingültige „beste Übung“ gibt es nicht – herausfordernd und zugleich sicher dosiert ist wichtiger als eine bestimmte Übungsform.

Brauche ich einen Gehstock oder Rollator?

Das lässt sich nur individuell beantworten. Ein passendes Hilfsmittel kann Sicherheit geben und dabei helfen, wieder mehr unterwegs zu sein – es ist kein Zeichen von Schwäche. Wichtig sind die richtige Auswahl, die passende Höhe, das Üben der Handhabung und der Test in Ihrer realen Umgebung. Ein Hilfsmittel ersetzt kein Training, sondern kann es oft erst ermöglichen.

Was ist nach einem Sturz zu beachten?

Zuerst ruhig bleiben und prüfen, ob und wie Sie sich bewegen können – nicht hastig aufstehen. Medizinisch abklären lassen sollten Sie einen Sturz insbesondere bei Kopfaufprall, bei Einnahme blutverdünnender Medikamente, bei starken Schmerzen, sichtbarer Fehlstellung, Bewusstlosigkeit oder neurologischen Symptomen; im Zweifel rufen Sie den Notruf 112. Danach lohnt es sich, den Sturz zu besprechen: Umstände, mögliche Ursachen und was sich daraus für Training und Umgebung ableiten lässt.

Was hilft gegen Sturzangst?

Angst nach einem Sturz oder bei zunehmender Unsicherheit ist nachvollziehbar und kein persönliches Versagen. Hilfreich ist meist ein schrittweiser, sicher begleiteter Aufbau: kleine, gut machbare Schritte, klare Alltagsziele, eine Umgebung, in der Sie sich sicher fühlen, und sichtbare Fortschritte. So wächst das Zutrauen wieder – und mit ihm die Aktivität, die Kraft und Gleichgewicht erhält.

Wie schnell kann sich das Gleichgewicht verbessern?

Verläufe sind sehr unterschiedlich und hängen von Ausgangslage, Erkrankungen und Trainingsumfang ab; eine verlässliche Einzelprognose gibt es nicht. Was sich in den Studien abzeichnet: Wirksame Programme sind keine kurzen Episoden, sondern regelmäßiges Training über längere Zeit. Fortschritt zeigt sich oft zuerst im Alltag – sicheres Aufstehen, längere Gehstrecke, weniger Beinahe-Stürze.

Fazit

Gangunsicherheit ist ein Symptom mit meist mehreren Ursachen – und vieles davon ist beeinflussbar. Sinnvoll sind eine sorgfältige Einschätzung, die Klärung ärztlicher Anteile und vor allem ein Training, das Gleichgewicht und Beinkraft gezielt, regelmäßig und sicher dosiert aufbaut. Wenn Sie sich beim Gehen unsicher fühlen oder bereits gestürzt sind, sprechen Sie uns in Recklinghausen gern an.

Unsicherheit besprechen

Quellen

Das Wichtigste in Kürze

Zusammenfassung

  • Gangunsicherheit ist ein Symptom, keine Diagnose – meist wirken mehrere Faktoren zusammen.
  • Ein Sturz im vergangenen Jahr, Beinahe-Stürze oder zunehmende Unsicherheit sind Anlass für eine strukturierte Einschätzung.
  • Am besten untersucht ist Training, das Gleichgewicht deutlich fordert und funktionelle Beinkraft aufbaut.
  • Ausreichende Dosis und langfristige Kontinuität sind entscheidend; Spazierengehen allein reicht meist nicht.
  • Bei mehreren Risiken ist ein multifaktorielles Vorgehen sinnvoll, inklusive ärztlicher Medikamenten- und Kreislaufprüfung.

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Wir begleiten Sie gerne bei Gangunsicherheit und Sturzrisiko.

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Porträt Stephan Fekkers, Praxisinhaber SF Physio

Autor & fachlich verantwortlich

Stephan Fekkers

Staatlich anerkannter Physiotherapeut, B.Sc. · Praxisinhaber SF Physio

Bachelor of Science Physiotherapie (B.Sc.) · Thim van der Laan University (2016)

Stephan Fekkers verfolgt einen konsequent evidenzbasierten Therapieansatz. Ziel seiner Behandlung ist es, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit klinischer Erfahrung und den individuellen Zielen der Patientinnen und Patienten zu verbinden. Der Schwerpunkt liegt auf aktiver Therapie, verständlicher Aufklärung und nachhaltiger Verbesserung der Beschwerden.

Schwerpunkte

  • Evidenzbasierte muskuloskelettale Physiotherapie
  • Schmerzphysiotherapie
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
  • Trainingstherapie / Krankengymnastik am Gerät (KGG)
  • Patientenedukation und aktive Rehabilitation

Qualifikationen

  • Manuelle Lymphdrainage (MLD)
  • Krankengymnastik am Gerät (KGG)
  • CMD
  • Sektoraler Heilpraktiker (Physiotherapie)

Berufstätig als Physiotherapeut seit 2007, Praxisinhaber der SF Physio seit 2018.

Inhalt und Quellen dieser Seite werden fachlich von Stephan Fekkers verantwortet. · Veröffentlicht am 12. September 2026 · Zuletzt fachlich aktualisiert am 12. September 2026 · Autorenprofil ansehen

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    Die Inhalte dienen der verständlichen Information und ersetzen keine individuelle Untersuchung oder medizinische Diagnose.

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